Diskussionrunde „Atomkraft & Energie“

diskussion

Am Montag, dem 20. September 2010, veranstaltete die Grüne Jugend Goch aus aktuellem Anlass eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Atomkraft & Energie“. Zur Debatte stand insbesondere die von der schwarz-gelben Bundesregierung geplante Verlängerung der Atomkraftwerkslaufzeiten und ihr jüngst vorgelegtes Energiekonzept.

Am Podium diskutierten Oliver Krischer, der als Bundestagsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen und deren Sprecher für Energie- und Ressourceneffizienz teils massive Kritik am Kurs der Bundesregierung äußerte, Jörg Kerlen von der RWE Power AG, der vor einem atomkritischen Publikum einen schwierigen Stand hatte und dennoch Fragen sachlich und ruhig beantwortete, und Frank Bollig, der als technischer und kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Goch GmbH vor allem über den lokalen Strommix informierte. Moderiert wurde die Diskussion von Simon Winter, Sprecher der Grünen Jugend Goch.

Als Einstieg wurde den etwa 40 Gästen der Film „Uranium – Is it a Country?“ von der unabhängigen Initiative „Strahlendes Klima“ gezeigt. Der Film befasst sich mit dem Uranabbau in Australien und seinen verheerenden Folgen für die Umwelt. Oliver Krischer beeilte sich in der anschließenden Diskussionsrunde, zu betonen, dass der Uranabbau in anderen Ländern, beispielsweise im Niger unter noch katastrophaleren Bedingungen stattfinde – auch das sei eine Erwähnung wert.

Unter Einbezug des Publikums wurde teils hitzig über verschiedenste Facetten der Energieerzeugung der Zukunft diskutiert. Es zeigte sich, dass es sich gerade jetzt um ein Thema handelt, das die Gemüter erhitzt.

In Bezug auf die Kernkraft wurde auch von Jörg Kerlen klargestellt, dass – obwohl sie CO2-frei ist – sie allein das Klima nicht rette und es langfristig einen Ausstieg geben müsse. Ziel seien unbestreitbar die erneuerbaren Energien.

Anlass zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten bot allerdings die Laufzeitverlängerung. Jörg Kerlen von RWE konnte einer Mehrheit im Publikum nicht klar machen, warum der rot-grüne Atomkonsens von 2001 nicht mehr funktioniere. Es wurden massive Vorwürfe insbesondere von den ZuschauerInnen, aber auch von Seiten Oliver Krischers laut, RWE stehe unter dem Verdacht von Korruption, Profitstreben auf dem Rücken von VerbraucherInnen und eigenen MitarbeiterInnen und Lobbyismus.

Auch Frank Bollig betonte, dass die Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke die lokalen Investitionen in etwa ein von der Stadt Goch geplantes Biomassekraftwerk ausbremse. Man habe ehrgeizige und klimaverträgliche Ziele, deren Einhaltung nun mit der Laufzeitverlängerung erschwert werde.

Nach einer dreistündigen Veranstaltung wurde resümiert, dass auch nach einer zweistündigen Diskussion und einer knapp einstündigen Dokumentation das Thema immer noch nicht in seiner Gänze erfasst wurde. Nach kurzen Abschlussstatements bedankte sich der Moderator im Namen der Grünen Jugend Goch bei den Diskutierenden und beim Publikum für ihr Erscheinen.

Summa summarum kann von einer gelungenen Veranstaltung gesprochen werden, die ein tagespolitisch hoch brisantes und emotionalisierendes Thema in die geordneten Bahnen einer über weite Strecken gesitteten und sachorientierten Diskussion führte.